Wie können Frauen Veränderungen in der Brust früh erkennen?

Wie können Frauen Veränderungen in der Brust früh erkennen

Viele Frauen fragen sich, wie sie Veränderungen an ihrer Brust frühzeitig erkennen können und worauf sie im Alltag achten sollten.

Brustkrebs ist in Österreich nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jährlich erhalten rund 6.900 Frauen diese Diagnose. Gleichzeitig lebt eine stetig wachsende Zahl von Betroffenen und Überlebenden mit den kurz- und langfristigen Folgen der Erkrankung.

Damit ist Brustkrebs nicht nur ein medizinisches Thema. Die Erkrankung kann auch Auswirkungen auf Familie, Beruf und soziale Interaktionen haben.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird Brustkrebs häufig als Erkrankung höherer Altersgruppen gesehen. Österreichische Daten zeigen jedoch, dass auch ein relevanter Anteil der Neuerkrankungen Frauen unter 50 betrifft. In dieser Lebensphase bestehen oft gleichzeitig Themen wie Familienplanung, berufliche Entwicklung, Care-Arbeit und finanzielle Verantwortung.

Gerade deshalb spielt die individuelle Aufmerksamkeit für die eigene Brustgesundheit – ergänzend zu organisierten Screening-Programmen – eine wichtige Rolle.

Warum es wichtig ist, die eigene Brust zu kennen

Das normale Brustgewebe besteht aus Drüsengewebe mit Milchgängen sowie aus Fett- und Bindegewebe. Diese Strukturen reagieren empfindlich auf hormonelle Schwankungen.

Solche Veränderungen können zum Beispiel auftreten:

  • im Verlauf des Menstruationszyklus
  • durch hormonelle Verhütung oder andere hormonelle Behandlungen
  • während einer Schwangerschaft
  • im Rahmen einer Hormonersatztherapie

Viele Veränderungen der Brust sind physiologisch, also Teil normaler hormoneller Prozesse. Gerade deshalb ist es wichtig, den eigenen Körper gut zu kennen.

Wer weiß, wie sich die eigenen Brüste normalerweise anfühlen, kann Veränderungen eher bemerken und besser einschätzen.

Welche Rolle die Selbstuntersuchung spielen kann

Die Selbstuntersuchung der Brust ersetzt keine medizinische Diagnostik. Sie kann jedoch dabei helfen, Veränderungen früh wahrzunehmen.

Idealerweise erfolgt die Selbstuntersuchung bei menstruierenden Frauen einmal im Monat etwa 5 bis 7 Tage nach Beginn der Regelblutung. Zu diesem Zeitpunkt ist das Drüsengewebe hormonell am wenigsten beeinflusst und daher besser beurteilbar.

Auch nach der Menopause kann eine monatliche Selbstuntersuchung sinnvoll sein.

Ziel der Selbstuntersuchung ist es nicht, selbst eine Diagnose zu stellen, sondern Veränderungen frühzeitig zu bemerken und gegebenenfalls ärztlich abklären zu lassen.

Auf welche Veränderungen Frauen achten sollten

Bei der Selbstbeobachtung können folgende Veränderungen auffallen:

  • neu tastbare oder sich verändernde (wachsende) Knoten
  • anhaltende Einziehungen oder Dellen der Brusthaut
  • Veränderungen der Brustwarze, zum Beispiel Einziehung, Ekzem oder Verkrustung
  • Veränderungen der Größe oder Form der Brust
  • anhaltender oder blutiger Ausfluss aus der Brustwarze
  • tastbare Knoten in der Achselhöhle
  • unerklärliche Rötung oder Überwärmung der Haut
  • neu auftretende, anhaltende Brustschmerzen

Diese Veränderungen sollten ärztlich beurteilt werden, insbesondere wenn sie neu auftreten oder bestehen bleiben.

Welche Veränderungen besonders abgeklärt werden sollten

Ein verdächtiger Knoten fühlt sich häufig fest an, lässt sich wenig verschieben und ist nicht klar vom umliegenden Drüsengewebe abgrenzbar.

Solche Veränderungen sollten zeitnah fachärztlich untersucht werden.

Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen, dass Brustschmerzen sehr häufig gutartige Ursachen haben und nur selten ein erstes Zeichen von Brustkrebs sind. Dieses Wissen kann vielen Frauen die Angst nehmen und den Schritt zur medizinischen Abklärung erleichtern.

Auch subtile Veränderungen können wichtig sein

Nicht alle Veränderungen sind sofort offensichtlich. Manchmal zeigen sich Hinweise nur unter bestimmten Bedingungen.

Beispiele dafür sind:

  • eine reproduzierbare Einziehung der Brusthaut beim Anheben des Arms
  • eine leichte Dellenbildung beim Zusammendrücken der Haut

Solche Veränderungen können unscheinbar wirken, können aber klinisch relevant sein und sollten daher ebenfalls abgeklärt werden.

Warum individuelle Wahrnehmung eine Rolle spielt

Auch Hautfarbe und individuelle körperliche Merkmale können beeinflussen, wie Veränderungen wahrgenommen werden.

Entzündliche Hautveränderungen können bei dunkler pigmentierter Haut anders erscheinen als bei heller Haut. Auch blutiger Ausfluss aus der Brustwarze kann weniger auffallen.

Deshalb ist es wichtig, mögliche Symptome nicht zu relativieren, sondern im Zweifel ärztlich beurteilen zu lassen.

Wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist

Wenn Unsicherheit über Veränderungen besteht, kann eine frühzeitige medizinische Abklärung helfen.

In Österreich stehen dafür unter anderem spezialisierte Brustambulanzen sowie Fachärztinnen und Fachärzte zur Verfügung.

Je früher Veränderungen eingeordnet werden, desto größer ist die Chance, entweder Entwarnung geben zu können oder – falls notwendig – rechtzeitig weitere Schritte einzuleiten.

Über die Autorin

Dr. Sara Dunja Pempelfort ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe mit besonderem Schwerpunkt auf Endometrioseabklärung und minimalinvasiver Chirurgie (Laparoskopie). Sie verfügt über internationale Erfahrung und hält ihr medizinisches Wissen durch regelmäßige Fortbildungen stets auf dem neuesten Stand der Forschung.

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